Kreatives Schreiben

       

Literatur – praktisch. Experimentell Schreiben an Heterotopien und in Totalen Institutionen

Kreatives Schreiben wird an deutschsprachigen Universitäten noch recht selten gelehrt.
Dabei ist das so zu Tage geförderte Kreativpotential auch für LiteraturwissenschaftlerInnen gewinnbringend nutzbar.

Die Übung ‘Experimentelles Schreiben‘ bietet die Möglichkeit, von der Rolle der Analysierenden hinüberzuwechseln in die Rolle der text-produzierenden ‚KünstlerInnen‘: unter Anleitung werden eigene, experimentelle Texte verfasst, vorgestellt und diskutiert. Eine öffentliche Lesung bildet den Abschluss. Hier können die im Kursverlauf entstandenen Texte einem größeren Publikum präsentiert werden.

Die selbständige literarische Arbeit liefert dem Gespür für die spezifische Machart von Texten neue Impulse.
Aus praktischer Perspektive wird entdeckt „dass Gedichte, Romane oder Novellen keine spontanen, mehr oder weniger unüberlegten Einfälle eines Autors sind, sondern durchkomponierte Strukturen aufweisen.“ (Leis 2012, S. 7). Neben der generellen Fähigkeit, sich auszudrücken, wird somit auch das Vertrauen in die eigene theoretisierende Einschätzung von Literatur gestärkt.

Die Themen der Schreibnächte sind angelehnt an die Inhalte einiger, in diesem Semester stattfindender Seminare, deren Besuch jedoch keine Voraussetzung für die Teilnahme ist (Literatur- und Kriminalpsychologie, Bühler; Orpheus, Ödipus, Prometheus, Pygmalion, Eder; SchriftstellerInnen einst und jetzt, Schmidt-Bergmann). Das Schreiben und Diskutieren geschieht an bzw. in ‚Heterotopien‘ (Focault) und ‚Totalen Institutionen‘ (Goffman).

Schreiberfahrungen nicht erforderlich. Schreibmaterial (analog, digital) bitte mitbringen.

Beispiele

Kanste Knicken Nautische Flanieren Die _eilige Schrift



"Kannste knicken!" Knicktexte aus der JVA Karlsruhe
Die folgenden, kollektiv verfassten Texte entstanden während des Kurzzeitaufenthaltes des Seminars Experimentell Schreiben am KIT in der JVA Karlsruhe. Danke an Herrn Schmidt, der uns diese seltene Gelegenheit ermöglichte. Und nicht nur „die Schlüssel klappern“ ließ, sondern uns auch über den Alltag in einer Haftanstalt als‚ totaler Institution‘ (E. Goffman) Auskunft gab.
Nautisches Flanieren
Schifffahrtsbetrachtungen und Flaschenpost. Die hier zu findenden Texten entstanden an Bord der MS Karlsruhe während einer 4-Häfen-Rundfahrt, die das Seminar Experimentell Schreiben im Sommer 2014 vom Rheinhafen Karlsruhe aus angetreten hatte.
„Die _eilige Schrift“ – Bibel-Cut-Ups
Anmerkungen zur Cut-Up Ausstellung und deren Exponate in der Stadtkirche Karlsruhe im Juli⁄August 2014.